Anfang März. Eine Busfahrt in Elmshorn.
Das Baby schreit.
Die junge Mutter findet den Ton-aus-Schalter an ihrem kleinen süßen Fratz nicht. Was bleibt dem Busfahrer anderes übrig, als sie kurzerhand des öffentlichen Verkehrsmittels (für dessen Benutzung sie vermutlich gezahlt hat) zu verweisen? Zwei ältere Damen hätten sich bereits beschwert, heißt es später in der örtlichen Presse.
Sollen die armen, leidgeplagten Mitfahrer neben nervigen Handytelefonaten und ohrenschädigender Kopfhörergeräusche ihrer Mitmenschen nun auch noch das natürliche Schreien eines unschuldigen Babys über sich ergehen lassen?
Auf gar keinen Fall!
Sollen sich Eltern doch vor Fahrtantritt auf derart Unerwünschtes vorbereiten, ein ernstes Wörtchen mit ihrem sabbernden Nachwuchs reden. Ihm klar machen, dass Klebeband die einzige Alternative ist.
Also mal ehrlich:
Warum gibt es denn keine geräuschlosen Kinder auf dieser Welt?
Schreien, Brabbeln, Glucksen, Lachen – insbesondere Babys sollen sich endlich aufs Schweigen und Niedlich-Aussehen beschränken. Kann doch so schwer nicht sein für die hochgebildeten Wissenschaftler, die Gene anzupassen. Ja, anpassen! Das ist es, was Kinder grundsätzlich immer mehr und immer früher müssen.
Leise sein. Nicht mit Dreck spielen. Generell nichts schmutzig machen (Waschmaschinen sollen nicht überfordert werden). Nichts anfassen, es könnte kaputt gehen. Nichts ausprobieren, es könnte schief gehen. Spielzeug lieber ignorieren, die Spielgeräusche nerven. Quengeln, Nörgeln, Meckern und Motzen sind ohnehin unerwünscht. Genau genommen das ganze Kind.
So lange es sich nicht ausschließlich aufs Niedlich-Sein beschränkt. Und das uneingeschränkt.
Da ist es wohl nur nachvollziehbar, dass ein Busfahrer seine zahlende Kundin mit ihrem drei Monate altem Säugling lieber in die eisige Winterkälte schickt als den beschwerdeführenden älteren Damen eine gemeinsame Weiterfahrt zuzumuten.
Aber ansonsten sind Kinder durchaus willkommen geduldet.