Archiv für den Monat März 2011

Niedlich aussehen reicht doch

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Anfang März. Eine Busfahrt in Elmshorn.

Das Baby schreit.
Die junge Mutter findet den Ton-aus-Schalter an ihrem kleinen süßen Fratz nicht. Was bleibt dem Busfahrer anderes übrig, als sie kurzerhand des öffentlichen Verkehrsmittels (für dessen Benutzung sie vermutlich gezahlt hat) zu verweisen? Zwei ältere Damen hätten sich bereits beschwert, heißt es später in der örtlichen Presse.

Sollen die armen, leidgeplagten Mitfahrer neben nervigen Handytelefonaten und ohrenschädigender Kopfhörergeräusche ihrer Mitmenschen nun auch noch das natürliche Schreien eines unschuldigen Babys über sich ergehen lassen?

Auf gar keinen Fall!

Sollen sich Eltern doch vor Fahrtantritt auf derart Unerwünschtes vorbereiten, ein ernstes Wörtchen mit ihrem sabbernden Nachwuchs reden. Ihm klar machen, dass Klebeband die einzige Alternative ist.

Also mal ehrlich:
Warum gibt es denn keine geräuschlosen Kinder auf dieser Welt?

Schreien, Brabbeln, Glucksen, Lachen – insbesondere Babys sollen sich endlich aufs Schweigen und Niedlich-Aussehen beschränken. Kann doch so schwer nicht sein für die hochgebildeten Wissenschaftler, die Gene anzupassen. Ja, anpassen! Das ist es, was Kinder grundsätzlich immer mehr und immer früher müssen.

Leise sein. Nicht mit Dreck spielen. Generell nichts schmutzig machen (Waschmaschinen sollen nicht überfordert werden). Nichts anfassen, es könnte kaputt gehen. Nichts ausprobieren, es könnte schief gehen. Spielzeug lieber ignorieren, die Spielgeräusche nerven. Quengeln, Nörgeln, Meckern und Motzen sind ohnehin unerwünscht. Genau genommen das ganze Kind.
So lange es sich nicht ausschließlich aufs Niedlich-Sein beschränkt. Und das uneingeschränkt.

Da ist es wohl nur nachvollziehbar, dass ein Busfahrer seine zahlende Kundin mit ihrem drei Monate altem Säugling lieber in die eisige Winterkälte schickt als den beschwerdeführenden älteren Damen eine gemeinsame Weiterfahrt zuzumuten.

Aber ansonsten sind Kinder durchaus willkommen geduldet.

In der Eile liegt die Zeit – dieses Mal

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Am freien Wochenende im frühen Dunkel aufstehen, hat zweifelsohne keinen Spitzenplatz in unserer Beliebtheitsliste. Zumindest nicht bei großem Schatz und mir. (auch wenn mein Bio-Rhytmus sich arbeitsbedingt zunehmend dorthin bewegt)

Der lieben Verwandtschaft Willen ist aber auch das hinzunehmen.

Viel Zeit bleibt uns nicht – mir und großem Schatz.
Duschen, Haare waschen, föhnen, schminken (zumindest ich, Schatz gibt sich  alternativ mit dem Rasierer zufrieden, Nassrasur versteht sich). Nebenbei den müden Geist mit Koffeein in Flüssigform versorgen. Das Kinderzimmer im Schnelldurchlauf vom gröbsten Chaos befreien. – Junior soll sich schließlich auf Zuhause freuen nach seiner Ferien-bei-Oma-Woche. -
Das Frühstück wird auf die anstehende Zugfahrt verlegt, der knurrende Magen mit einem Schluck Kaffee besänftigt. Und bloß nicht vergessen: Proviant vorbereiten…

Eine Stunde kann so kurz sein!

Ein Blick zur Uhr – dann der Schock: Wir müssen looohoos!!! JETZT!

Dieser letzte Teil wird sich noch einige Male wiederholen, dann habe auch ich die Wohnung verlassen und kann meinen vorausgegangenen Mann vom Warteplatz vor dem Haus abholen.

Huiuiuiuiui – jetzt aber fix. 20 Minuten über unserer Zeit!

Es ist ja nicht so, dass wir – die Erfahrung hat’s uns gelehrt – keine Zeitpuffer eingeplant hätten. Nur sind auch diese leider restlos aufgebraucht…
Vergleichbar mit der Reservetank-Anzeige im Auto – für ein paar Kilometer reichts immer. Nun ja, wir befinden uns gerade im unteren Drittel unserer Reserve, wahrscheinlich längst im unteren Fünftel… Will heißen, ob wir unser Ziel noch erreichen, bleibt dank Zurückgreifen auf öffentliche Verkehrsmittel bis zur letzten Sekunde spannend.

“Spät dran” ist kaum noch ein akzeptabler Ausdruck. Vielmehr beschleunigen wir unsere Schritte Richtung Bushaltestelle beinahe zu einem zügigen Laufen.

Sprinten wäre in diesem Moment auf nüchternem Magen etwas unangebracht. Trotzdem erscheint uns die Bushaltestelle – geschätzte 70 Meter – als viel zu weit entfernt. An einem Samstagmorgen, kurz vor 8 Uhr.

Moment, Samstagmorgen ist klar. Aber kurz vor 8 Uhr?

Verblüfft. Geschockt. Überrascht. Erleichtert.

Zur Sicherheit schauen wir nochmal auf die Uhr. Tatsächlich kurz vor 8. Unser Zeitplan sieht eigentlich 7.30 Uhr an der Bushaltestelle vor. Warum eigentlich? Unser Zug fährt erst in ZWEI Stunden.

Damit sind wir in diesem Moment mindestens 1 (EINE) Stunde zu früh draußen! An einem Samstagmorgen. Einem kalten Samstagmorgen.

Tief durchatmen.

Zurück in die Wohnung, um das Frühstück nachzuholen?
Aufräumvorgang fortsetzen?
Zur Abwechslung entspannt eine Tasse Kaffee genießen?

Quatsch. Wo wir doch schon mal an einem kalten Samstagmorgen draußen sind. An einem sonnigen kalten Samstagmorgen.

Der Weg zum S-Bahnhof ist soo weit nun auch nicht per Fußmarsch Schlendertempo. In der Stadtteil-Innenstadt angekommen, gibt es sogar Geschäfte, die schon geöffnet haben. Um diese Zeit!

Nach gemütlicher Butscherrunde bleibt sogar am Hauptbahnhof noch Zeit für unseren Lieblings-Café-Latte-Stand. Zuzüglich einer halben Wartestunde auf dem Bahnsteig. In der morgendlichen Samstagssonne.

Wochenenden sind einfach wunderbar!

Rate mal…

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Männer sind ja nun mal mit dem Ruf nie erwachsenwerdenwollender Kinder gestraft. Gestraft? Auf jeden Fall behaftet. Nicht zu Unrecht. Und nicht immer schlimm.

Wie auch Kinder brauchen sie ihre Aufmerksamkeit und haben ein tiefes Bedürfnis für kleine Spielereien. Für viele kleine Spielereien.

Neuester Zeitvertreib meines großen erwachsenen und zugleich hin und wieder kindlichen Schatzes: Mülleimer-Raten

Unter den von ihm erdachten Namen “Taschentuch oder Kaffeebecher” starren alle Teilnehmer auf einen geschlossenen Mülleimer in der Bahn, mutmaßen der Reihe nach über dessen Inhalt und schauen nach, wer den besten Spürsinn hatte.

Die Spielerweiterung wäre, mit geschlossenen Augen den Tastsinn auf die Probe zu stellen, damit unter anderem das Wort Spürsinn an Bedeutung gewinnt…

 

 

Mit dem Bewusstsein eines Drittklässlers

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Zu Besuch bei den Großeltern. Schule und Arbeit, die üblichen Themen eben. Früh müssen großer Schatz und ich das Haus verlassen. Bis vor Kurzem beschritt Junior als Dritter und damit erst etwas später die Türschwelle, um den Schulweg anzutreten. Meine Oma interessierts genauer:

“Und wann gehst du aus dem Haus?”, fragt sie beim Spross nach.

“Mit 18″, platzt es ihm wie aus einem Pistolenlauf heraus.

Ich finds gut, wenn Kinder ihre Grenzen kennen.

Das ganz große (Richter)Los für Hartz-IV-ler

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Keine Lotto-Lose mehr für Hartz-IV-Empfänger in Nordrhein-Westfalen.

Wäre 1. April, ich hätte es als misslungenen Scherz abgetan.
Obwohl…

Wenn fleißige, hartschuftende Steuerzahler schon Miete und Lebensmittel für eben jene an den Pranger gestellten Mitbürger blechen.
Außerdem, wie passt es denn ins Klischee, dass Hartz-IV-Bezieher dem Traum vom fetten Lottogewinn nicht nur gedanklich nachgehen, sondern auch zur Tat schreiten?! Stets in der Hoffnung, eines Tages das richtige, das ganz große Los zu ziehen.

Mit ein paar Lotto-Tausendern wäre es zudem vorbei mit der staatlichen Lebens Existenzfinanzierung. Ja, sogar vorbei mit der öffentlichen Brandmarkung.

Aber das passt nicht ins deutsche Denken.

Dann sollen sie sich lieber Alkohol und Zigaretten von ihrem Fast-Nichts-Einkommen kaufen. Da kann wenigstens wild drüber debattiert und der öffentliche Pranger wieder aufgestellt werden.

Es dauert nicht mehr lange, dann tragen wir alle für jedermann sichtbare Marken an uns. Farblich abgestimmt auf unsere Einkommensverhältnisse. Das macht nicht nur den NRW-Lotto-Verkäufern die Umsetzung des neuen Gesetzes leichter. Auch höherpreisige Supermärkte oder Freizeit-Unterhaltungs-Anbieter könnten auf diese Weise entsprechend ihre Leistungen anpassen oder gar verweigern.
“Hartz-IV? Dann kaufst du bei Aldi, aber nicht hier im Rewe!”

Und, liebe Sozialleistungsempfänger, vergesst bitte nicht frisches Obst und Gemüse gegen eine Extra-Ration an Alkohol und Tabak einzutauschen – das passt einfach besser ins Klischee!

 

Anmerkung:

Begründet mit dem Schutz vor Verschuldung mangels ausreichender Geldmenge haben sich die Richter im Kölner Landgericht schweren Herzens zu diesem wohltätigen Urteil hinreißen lassen. Ich gehe mal davon aus, es folgen ähnliche einstweilige Verfügungen für bestbezahlte Bankmanager, um den Größenwahn von ihnen fernzuhalten sowie für Staatsbedienstete aller Art (vom Lehrer bis zur Bundeskanzlerin), welche ebenso wie die ALG-II-Bezieher (und natürlich auch ALG-I-Empfänger) die hart erarbeiteten Euro der Steuerzahler für eigene Zwecke verwalten müssen.