Archiv für den Monat April 2011

Nicht die Lampe!

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Fortsetzung von “Listige Mikrowelle”

Anders als bei der silbernen Mikrowelle müssen die Quiddjes unserer Wohnung meist deutlich längere Wartezeiten hinnehmen. Und sollten sie es dann doch schaffen, aktuell genutzte Geräte von ihrem Thron zu schubsen, müssen diese ebenfalls so einige lange Wochen (mit Tendenz zu Monaten) des Herumstehens in Kauf nehmen. Abstellkammer und großem Flur sei Dank, der Keller bildet eher den Ausnahme-Aufnahmeort. Zur Not zeigen sich auch Wohnzimmerecken und beengter Arbeitsraum von großem Schatz und mir gerne hilfsbereit.

Aber nun ist ja bekanntlich und merklich der Frühling ins Land hineinspaziert und damit auch schnurstracks in unsere Wohnung. Dem fällt dann sofort auf, dass derlei Gerätschaften so irgendwie gar keinen Gemütlichkeitsbeitrag leisten. Das muss sich ändern, sagt Herr Frühlung und schlägt sogleich vor: “Keller oder für immer raus, was nicht genutzt wird!” Ganz rigoros. So muss das sein.
Dem können wir nur schwerlich entgegenhalten. Also befreit großer Schatz fest entschlossen das große alte TV-Röhrenmodell vom darauf stehenden – nur geringfügig kleineren – Fernseher. Beide voll funktionstüchtig, jedoch als Nummer 2 und 3 in der Rangliste gänzlich ungenutzt.
“Der kommt in den Keller”, weiht mich großer Schatz in seine Umräumpläne ein.
“WARUM?”, stelle ich ihn zur Rede und gebe – ohne eine Antwort abzuwarten – sogleich die weitere Verwendung des sperrigen Elektroguts vor: “Raus damit! Den benutzen wir nicht. Und im Keller haben wir noch nie Fernsehen geschaut. Da brauchen wir ihn noch viel weniger.”
Sein kleinlautes “Aber…” schlage ich mit SEINEM sonst verwendetem Spruch “Was man 1 Jahr nicht benutzt hat, braucht man nie wieder”.
Ich habe gewonnen! Juhuu.

Der erste Auszug eines Altfernsehers – in diesem Jahr – ist vollbracht.

Damit wird eine Lücke frei, welche sofort mit Ersatz gefüllt wird. Daaafüüür wiederum entsteht eben an anderer Stelle ein Platzüberschuss und irgendwie kommt plötzlich die Lampe zum Vorschein. DIE Lampe. Also, richtigerweise müsste es heißen DER Lampenschirm.
Ein altes, rundes Hängemodell. Außen mit breitem, braunem Leder bezogen. Geschätzte 50, 60 Jahre alt. Jenes gute Stück, das wir bei einer älteren Dame von seinem tristen Dachbodenleben befreien durften. Vor etwa einem Jahr, schätze ich.

Doch noch hatte er seinen Platz bei uns nicht gefunden. Man könnte auch sagen: Nicht bekommen.
Erst mal etwas aufhübschen, hatte ich damals meinem Liebsten euphorisch versprochen und dann wird er auf jeden Fall aufgehangen, irgendwo. Schon bei seiner Ankunft bei uns musste ich mit vielen, vielen Argumenten für ein Asyl für ihn kämpfen.

Und nun? Er sieht noch genauso aus. Weder aufgehübscht noch in irgendeiner aktiven Benutzung. So lange Ecken füllen nicht als Nutzung zählt. Für großen Schatz scheint der Sachverhalt eindeutig. Raus damit! Ganz raus, keine Kellerbleibe.
“Nein, ich hab ihn nicht vergessen!”, beteuere ich ihm gegenüber mit einer Mischung aus Entschlossenheit und Betteln. Mit vorwurfsvollem Blick hält er ihn in die Höhe. Verständnis kann ich gerade nicht in seinen Augen ablesen. Jetzt geht nur noch eines: die Augenbrauen zum Frauen-Fleh-Blick hochziehen und in leicht erhöhter Stimmlage jammern.
“Nicht die Lampe!”
Außerdem wäre da ja noch die gerade gegründete Kreativgruppe, in welcher ich das Lampenumgestalten schon fest eingeplant hatte. Ehrlich! Gleich nachdem ich meine angefangene Jeanstasche fertig genäht habe, die Fotos vom letzten und vorletztem Jahr eingeklebt sind und…

Okay, den letzen Satz musste ich ihm verschweigen. Vielleicht lässt sich der Lampenschirm in der Zu-tun-Liste auch noch schneller an die Spitze platzieren. Ganz bestimmt. Aber Hauptsache ist doch, der Fernseher ist weg – und mein Lampenschirm nicht… (den Fernseher brauchen wir nun wirklich nicht).

Listige Mikrowelle

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Als bekennender Technikfan zeigt mein großer Schatz in viel zu regelmäßigen Abständen ein viel zu großes Herz für technischen Schrott. Praktischerweise hat sich unsere umfangreiche Hausgemeinschaft angewöhnt, Sperrmüll nicht anzumelden, sondern einfach vor den Hauseingang zu stellen. Wird sich schon der Hausmeister drum kümmern, sofern die ausrangierten Dinge überhaupt die erste Nacht im Freien verbringen müssen.

Fernseher, Computer, Drucker, Monitore, Mikrowellen und ihre Verwandtschaften müssen es in aller Regel nicht. Nicht solange sie großem Schatz ins Auge fallen. (ja, ja – im übertragenem Sinn selbstverständlicherweise).

“Das sieht noch gut aus”, bildet meistens den Anfang weniger Argumente, die dafür sprechen, unseren kostbaren Wohnraum mit weiterem Elektrokrams zu füllen. In der Regel liegt er mit seiner Einschätzung ja auch nicht sooo verkehrt. Ob und wann die Errungenschaft – die mann sofort mitnehmen muss – in Einsatz kommt, ist erstmal nebensächlich.
Dass das bei der riesigen silbernen Mikrowelle unerwarteterweise so schnell ging und unser schickes, weißes Speisen-Schnell-Heißmach-Gerät dem Neuling weichen musste, ist dabei schon fast eine Sensation. Gerade mal einen Tag (vielleicht eher eine Woche) standen sich beide so fast gegenüber. Die alles entscheidende Frage – widerspiegelnd in ihren gläsernen Türen: Wer würde bleiben dürfen? Es ist nur Platz für eine von beiden. So viel stand fest. (Im Gegenteil zu Computern, Monitoren und Fernsehern – und Drucker nicht zu vergessen)

Dass es die silberne geschafft hat, unser langjähriges, treues Elektro-Familienmitglied zu vertreiben, verdankt sie lediglich einem Trick. Oder einer Unachtsamkeit des Wohnungsherrn. Natürlich musste sie sich einem Funktionstest unterziehen. Stecker in die Dose. Knopf gedreht. Auf START gedrückt. Licht geht an. Der leere Teller dreht sich. Die Geräusche betäuben sämtliche Ohren im Umkreis von zehn Metern. Aber sie ist silber. Und damit in den Augen des Wohnungsherrn optisch unserem ab sofort ehemaligen Weggefährten eindeutig überlegen. Unsere Ohren werden das künftig aushalten ausbaden müssen.
Einen kleinen, jedoch entscheidenden Manko hat sie allerdings, die silberne Mikrowelle:

Sie erzeugt keinerlei Hitze.

Wer konnte das schon ahnen, als unsere alte, stets funktionstüchtige Mikrowelle ganz in weiß gehalten von einem vorbeigehendem Nachbarn unten an der Haustür mitgenommen wurde…

Ist natürlich kein Grund und schon gar kein Anlass, die silberne Verwandtschaft der Küche und zugleich des Hauses zu verweisen. So in silber, sieht sie doch ganz gut aus. Ist ja auch mal was – für ein Elektrogerät, welchem ich ohnehin abgeneigt bin.


Fortsetzung folgt

Astrorat: Geschenk mitbringen!

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Horoskope.

Erklärungen bedarf es dabei keiner. Ja, ich lese gerne Horoskope. Meines und – natürlich – das vom großen Schatz (muss ja darauf vorbereitet sein, was ihn erwartet). Wobei ich erwähnen muss: Nur die guten Ankündigungen werden angenommen. Und was die meines über alles geliebten Partners betreffen, ernten Sätze wie “Sie könnten eine neue, interessante Bekanntschaft machen, welche ihr Herz höher schlagen lässt” inzwischen gekonnt ungläubiges Stirnrunzeln. Geht ja wohl gar nicht. Unsere künftige gemeinsame Ehe miesschreiben! Und überhaupt, was geht das den Astrologen an…

Manchmal ist trotzdem etwas Gutes dabei. Nur heute – in der “persönlichen” Wochenvorschau eines Werbeheftes wird sich fragend an die Waagen gerichtet (und damit mich eingeschlossen):

“Haben Sie wirklich an alles Wichtige gedacht?”

Oh je. Wenn die Frage kommt, kann das ja nur mit einem Nein beantwortet werden. Warum sonst sollte sie auf den Tisch kommen?? “An alles Wichtige” – mein Kind, mein Mann, mein Job, meine Katze…
in Sekundeneile rattert es in meinem Kopf nach weiteren wichtigen Dingen, welche ich – in Bezug auf was-auch-immer – vergessen haben könnte.

“Für einen Besuch bei einer besonderen Person müssen Sie auch ein besonderes Mitbringsel bereithalten. Vergessen Sie das bloß nicht!”

Besondere Person? Kenn ich einige. Ich als Besucher diese Woche? Wüsst ich nix. Muss ja arbeiten.
Hmm… Das Gespräch bei Juniors Klassenlehrerin wird wohl kaum gemeint sein, oder?
Und selbst wenn – wieso meint ein Astrologe, mir vorschreiben zu müssen,
mich zum Geschenkemitbringen zu verpflichten?!?!

“Vergessen Sie das bloß nicht!”

Mit Ausrufezeichen sogar!!!
Dabei kommt es doch gerade bei besonderen Menschen nicht auf Mitbringsel an,
sondern vielmehr auf eine besonders schöne Zeit, die man gemeinsam verbringt.

Mein These:
Der Verfasser jener Zeilen erwartet Besuch von einer Waage
und möchte, um Enttäuschungen zu vermeiden schon mal im Vorfeld
seine Erwartungen an den eigenen Besuch kundtun…

Übrigens: großem Schatz versprechen die Sterne:
“Sie können Pluspunkte beim Partner sammeln”

Als ob er das nötig hätte! Wäre er etwa mein Partner, wenn er noch Pluspunkte sammeln müsste??

Horoskope.

Jäger & Sammler – gesammelt gejagt

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“Sammeln bezeichnet die systematische Suche, Beschaffung und Aufbewahrung von Dingen oder Informationen.”

Quelle: http://www.wikipedia.org

 

So, so. Sammeln beginnt also mit der Suche und dem Beschaffen von was-auch-immer. Nur ist nicht erklärt, wer sich auf die Suche machen und mit der Beschaffung des Objekts der Begierde abplagen soll. Na der Sammler selbst, würden sicher die meisten denken. Pah – weit gefehlt. Insbesondere wenn es sich bei den Sammlungsstück-Haben-Wollenden um hilfsbedürftige Minderjährige handelt.

Hoch im Kurs der kindlichen Sammelobjekte liegen nach wie vor Karten jeglicher Art. Fußball, Star Wars, Pokémon, Yo-Gi-Oh – um nur wenige der unzähligen Möglichkeiten zu nennen. Ihr wisst schon. Die Eltern unter euch wissen erst recht, wovon ich schreibe.

Während bei meinem eigenen Sohnemann das Kartensammeln – mal wieder – mangels Interesse auf Eis und die vielen teuren Karten unter dem Schreibtisch auf dem Fußboden liegen, haben zwei seiner Freunde – mal wieder – einen Sammelhöhepunkt erreicht. Angesagte, auf Karton gedruckte Motive müssen sofort ergattert werden. Die Betonung liegt auf SOFORT. Gerne auch vom eigenen Taschengeld. Dummerweise sind sie derart angesagt, dass sämtliche Kioskbetreiber und andere Sammelkartenverkäufer der Nachfrage längst nicht mehr nachkommen können.

Vor der Arbeit. Nach der Arbeit. Am Wochenende – die Suche nach besagten Dingen kennt keine Pause. Für die Eltern, versteht sich. Wie soll denn auch ein 10-Jähriger mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder ganz Hamburg danach abgrasen? Nein, das müssen schön die Erwachsenen ausbaden.

Umso schlimmer die Situation, als die überaus fürsorgliche Mutter auch am Tag X erneut und schon wieder am Abend mit leeren Händen ihrem Nachwuchs gegenüber steht. Ganz Mutterinstikt gibt sie alles, um ein bevorstehendes Tränenmeer – um nicht Tränenozean zu sagen – zu verhindern.

“Der Kiosk hatte schon zu.”

Enttäuschte Kindergesichter blicken sie an.
Aber wenn der Kiosk doch nun schon zu hatte?
Wie soll sie ihnen auch erklären, dass besagter Verkaufsladen sich lediglich in die Reihe jener gesellte, welche über einen absoluten Ausverkauf der aktuellen gefragtesten Sammelkarten klagen. Diese Begründung fürs Nichtauftreiben begehrter Karten kennen die Kinder bereits – ohne besonderers Verständnis für die Situation aufzubringen. Aber ein geschlossener Kiosk ist etwas anders. Ein anderer Grund für das Beschaffungsversagen…

Allerdings sind Kinder auch dafür bekannt, Gegebenheiten mit Vorliebe zu hinterfragen. Also kommt, was hätte nicht kommen müssen.

“Warst du beim Kiosk xy?”, wird die mütterliche Aussage sogleich von einem außenstehenden Dreikäsehoch auf die Probe gestellt.

“Ja”, so die ehrliche Antwort.

“Aber der hat von 6 bis 22 Uhr geöffnet”, schnellt es aus dem neunjährigem Mund zurück. Wohlwissend, dass der große Uhrzeiger gerade mal 19 Runden gedreht hat.

Kinder können grausam sein.
Wer auch immer sich diesen Satz als Erster hat einfallen lassen, er hatte sooo Recht.
Nicht, dass mein Sohn mich tagelang zu allen möglichen und unmöglichen Uhrzeiten durch sämtliche Kioske scheucht. Aber dass er deren Öffnungszeiten auswendig weiß (bedingt durch selbstständiges Kartenkaufen), macht die Sache nicht besser…

 

Die imaginäre Zutat

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Voller schmackhafter Erwartung und quälendem Hunger zugleich steht er extra noch einmal vom Esstisch auf, holt das von ihm gekaufte Glas und streicht einige Gramm des Inhalts aufs mit Butter vorbereitete Vollkornbrot. Wäre keine Hast im Spiel – dem Hunger sei es geschuldet – man würde es für eine Zeremonie halten. Immerhin freut er sich schon lange auf diesen Moment.

Ein Bissen. Etwas Kauen. Ein Augenbrauen-Zusammenziehen. Etwas mehr Kauen. Verstärkte Skepsis, gemischt mit Enttäuschung. Sehr viel Enttäuschung.

“Das schmeckt total nach Karamell”, urteilt mein Liebster seine jüngsten Geschmackserlebnisse mit tiefstem Missfallen.
Nicht etwa, weil er allem Karamelligem abgeneigt ist. Nur:
Karamell in Hausmacher-Leberwurst?

Ich probiere und empfinde eine mögliche leichte – minimalistische – Süße. Eventuell. Liegt allerdings eher an der Beeinflussung durch meinen scharf urteilenden Gegenüber.
Nein, Karamell, bin ich nach dem zweiten Versuch überzeugt, ist dort definitiv nicht enthalten. Warum auch?

“Doch, das schmeckt nach Karamell!”, wiederholt großer Schatz mit dem Brustton der Überzeugung. Sofort studiert er die angegebenen Zutaten auf dem gläsernen Behältnis. Auf der akribischen Suche nach irgendeiner Bestätigung, möge sie auch noch so klein sein. Andeutungsweise würde schon reichen. Augen, Nase, Geschmackssinn – alle müssen ran. Es gilt die ungewöhnliche Leberwurstzutat zu ertappen. Auf frischer Tat, wie sie sich heimlich und unbemerkt in die herzhafte Köstlichkeit geschlichen hat.

Es endet wie von mir vermutet.
Er entdeckt, ganz aufgebracht – nix.
“Da steht noch nicht mal drauf, dass da Karamell drin ist!”, empört sich großer Schatz über die seiner Meinung nach mangelnde Informationsweitergabe.

Das Glas samt Inhalt, den er normalerweise so sehr schätzt, gehört fortan komplett mir alleine. Denn warum sollte mann Leberwurst mit Karamellgeschmack essen. Erst recht, wo Karamell als unerwünschte (und eindeutig imaginäre) Zutat noch nicht einmal vermerkt ist…