Fortsetzung von “Listige Mikrowelle”
Anders als bei der silbernen Mikrowelle müssen die Quiddjes unserer Wohnung meist deutlich längere Wartezeiten hinnehmen. Und sollten sie es dann doch schaffen, aktuell genutzte Geräte von ihrem Thron zu schubsen, müssen diese ebenfalls so einige lange Wochen (mit Tendenz zu Monaten) des Herumstehens in Kauf nehmen. Abstellkammer und großem Flur sei Dank, der Keller bildet eher den Ausnahme-Aufnahmeort. Zur Not zeigen sich auch Wohnzimmerecken und beengter Arbeitsraum von großem Schatz und mir gerne hilfsbereit.
Aber nun ist ja bekanntlich und merklich der Frühling ins Land hineinspaziert und damit auch schnurstracks in unsere Wohnung. Dem fällt dann sofort auf, dass derlei Gerätschaften so irgendwie gar keinen Gemütlichkeitsbeitrag leisten. Das muss sich ändern, sagt Herr Frühlung und schlägt sogleich vor: “Keller oder für immer raus, was nicht genutzt wird!” Ganz rigoros. So muss das sein.
Dem können wir nur schwerlich entgegenhalten. Also befreit großer Schatz fest entschlossen das große alte TV-Röhrenmodell vom darauf stehenden – nur geringfügig kleineren – Fernseher. Beide voll funktionstüchtig, jedoch als Nummer 2 und 3 in der Rangliste gänzlich ungenutzt.
“Der kommt in den Keller”, weiht mich großer Schatz in seine Umräumpläne ein.
“WARUM?”, stelle ich ihn zur Rede und gebe – ohne eine Antwort abzuwarten – sogleich die weitere Verwendung des sperrigen Elektroguts vor: “Raus damit! Den benutzen wir nicht. Und im Keller haben wir noch nie Fernsehen geschaut. Da brauchen wir ihn noch viel weniger.”
Sein kleinlautes “Aber…” schlage ich mit SEINEM sonst verwendetem Spruch “Was man 1 Jahr nicht benutzt hat, braucht man nie wieder”.
Ich habe gewonnen! Juhuu.
Der erste Auszug eines Altfernsehers – in diesem Jahr – ist vollbracht.
Damit wird eine Lücke frei, welche sofort mit Ersatz gefüllt wird. Daaafüüür wiederum entsteht eben an anderer Stelle ein Platzüberschuss und irgendwie kommt plötzlich die Lampe zum Vorschein. DIE Lampe. Also, richtigerweise müsste es heißen DER Lampenschirm.
Ein altes, rundes Hängemodell. Außen mit breitem, braunem Leder bezogen. Geschätzte 50, 60 Jahre alt. Jenes gute Stück, das wir bei einer älteren Dame von seinem tristen Dachbodenleben befreien durften. Vor etwa einem Jahr, schätze ich.
Doch noch hatte er seinen Platz bei uns nicht gefunden. Man könnte auch sagen: Nicht bekommen.
Erst mal etwas aufhübschen, hatte ich damals meinem Liebsten euphorisch versprochen und dann wird er auf jeden Fall aufgehangen, irgendwo. Schon bei seiner Ankunft bei uns musste ich mit vielen, vielen Argumenten für ein Asyl für ihn kämpfen.
Und nun? Er sieht noch genauso aus. Weder aufgehübscht noch in irgendeiner aktiven Benutzung. So lange Ecken füllen nicht als Nutzung zählt. Für großen Schatz scheint der Sachverhalt eindeutig. Raus damit! Ganz raus, keine Kellerbleibe.
“Nein, ich hab ihn nicht vergessen!”, beteuere ich ihm gegenüber mit einer Mischung aus Entschlossenheit und Betteln. Mit vorwurfsvollem Blick hält er ihn in die Höhe. Verständnis kann ich gerade nicht in seinen Augen ablesen. Jetzt geht nur noch eines: die Augenbrauen zum Frauen-Fleh-Blick hochziehen und in leicht erhöhter Stimmlage jammern.
“Nicht die Lampe!”
Außerdem wäre da ja noch die gerade gegründete Kreativgruppe, in welcher ich das Lampenumgestalten schon fest eingeplant hatte. Ehrlich! Gleich nachdem ich meine angefangene Jeanstasche fertig genäht habe, die Fotos vom letzten und vorletztem Jahr eingeklebt sind und…
Okay, den letzen Satz musste ich ihm verschweigen. Vielleicht lässt sich der Lampenschirm in der Zu-tun-Liste auch noch schneller an die Spitze platzieren. Ganz bestimmt. Aber Hauptsache ist doch, der Fernseher ist weg – und mein Lampenschirm nicht… (den Fernseher brauchen wir nun wirklich nicht).