Wir betreten den Laden. Ein Laden, vollgestopft mit Klamotten. Vorzugsweise für Frauen. Tolle Sache.
Meine Beine sagen mir, die vorangegangene, langweilige Abhängstunde im Elektrogeschäft hätten ihnen nun – nach einem ausgelasteten Arbeitstag – den Rest gegeben. Sie haben keine Lust, im Schlaraffenland für Frauen rumzuschlendern.
Mein Magen sagt, da es bereits 19 Uhr ist, hätte er lieber was Biss- statt Reißfestes. Ein Schlaraffenland stellt er sich irgendwie anders vor.
Mein Kopf ist genervt von den jammernden Beinen, vom meckernden Magen und nicht zuletzt vom Überangebot an Klamotten. Nichts wie raus, sagt er mir. ‘Geht nicht’, murmel ich ihm nicht hörbar zu. ‘Wir sind in Begleitung.’ Das Argument zieht. Es ändert allerdings nichts an dem müden Erscheinungsbild meiner Augen und leider schon gar nichts an meinen herunterhängenden Mundwinkeln, die sich schlichtweg weigern, wenigstens ein klitzekleines bisschen nach Spaß oder Freude auszusehen. So tun, als ob, würde ja schon reichen. Aber da ist nix zu machen.
Großer Schatz lässt sich davon nicht beirren. Er kennt mich und weiß, es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die These “Shoppen macht Spaß” in meinem Körper verbreitet hat. Bis dahin durchsucht er die Kleiderständer nach potenziellen Hinguckern, hält sie mir vor die Nase und versorgt mich liebevoll in der Umkleidekabine mit Nachschub. Und auf einmal ist er da – der Spaß am Shoppen!
Doch irgendwann ist Schluss damit – besser gesagt, Ladenschluss. Eine nette Lautsprecherstimme fordert zum Gang an die Kasse auf, auch Verkäuferinnen benötigen mal Feierabend. Gerade in die Kassenschlange eingereiht, verlässt mich großer Schatz plötzlich. Er habe da noch was gesehen. Einen Ständer mit ganz vielen Hosen. Und Hosen wollten wir doch eigentlich kaufen.
Mit einem beigen Beinkleid kommt er zurück. Ich bin gleich die Nächste, die ihre Errungenschaften auf der Kassentheke ausbreiten darf. Da läuft er schon wieder weg. Er habe da noch was. Ja, vor allem das Portemannaie, gebe ich ihm zu verstehen. So, jetzt wird abgerechnet. Verlässlich wie er ist, eilt er an meine Seite und packt schnell noch eine schwarze Hose auf den bereits vorhandenen Stapel drauf. “Die ist doof, Schatz. Bring die bitte zurück”, fälle ich kurzfristig mein Urteil und entfache damit eine kleine Pärchendiskussion, ob oder ob nicht. Eine verwirrte Verkäuferin blickt uns abwechselnd fragend an. Gleichzeitig antworten wir ihr mit “JA” (er mal wieder) und “NEIN” (ich natürlich). Sie ist immer noch verwirrt und beschließt, sich einen neuen Mann zu suchen. Einen, der wie mein Schatz, ihr auch Klamotten aufdrängt und diese sogar freiwillig bezahlt.
Kurzum, es gab keinen Weg daran vorbei, ihm das Versprechen zu geben, die beiden Hosen ihm zu Hause erst vorzuführen und gegebenenfalls danach umzutauschen. Ein Kompromiss, mit dem es sich leben lässt. In Gedanken, ist die schwarze Hose sowieso schon zurückgegeben, denke ich mir und präsentiere sie ein paar Tage später während einer heimischen Mini-Modenschau.
Was soll ich sagen? Glücksgriff triffts sehr gut! Sowohl Hose wie auch Mann.