“Hey, guck mal – der Stepper sieht genauso aus wie meiner!”, mache ich Sohnemann auf das schwarzweiße Sportgerät vor unserem Haus aufmerksam. Es befindet sich direkt auf dem inoffiziellen Tauschbasarplatz. Sprich: Es steht neben der Tür. Denn hier gilt:
Wer etwas nicht mehr braucht, spart sich den Flohmarkt-Aufwand und stellt es raus. Der Nächste oder spätestens der Übernächste freut sich und nimmts mit. Tolle Sache.
Dieses Mal also ein Stepper, der exakt aussieht wie meiner. Aber ich habe ja nun schon einen. Seit etwa anderthalb Jahren oder so. Gebraucht, aber wie neu. Maximal zweimal benutzt. Diesen brauch ich daher definitiv nicht. Auch wenn er noch sooo gut aussieht.
Doch plötzlich und unerwartet: “Mooooment mal,” mahnt mich mein geschultes Adlerauge zur Wachsamkeit. Hinter dem Stepper steht so ein undefinierbares Holzdingens. Halb Regal, halb Kiste. Optisch äußerst merkwürdig. Derart merkwürdig, dass ich es vor geraumer Zeit mitgenommen hatte… für kreative Momente… (welche sich eben nur noch nicht ergeben haben).
Das würde allerdings nicht nur bedeuten, dass großer Schatz, wer auch sonst
, nicht nur das Holzirgendwas rausgestellt, sondern auch meinen heißgeliebten – wenn auch unbenutzten – Stepper der Wohnung verwiesen hat.
Vorsorglich klemm ich mir das gut erhaltene Fitnessgerät unter den Arm, um ihm weiterhin unbegrenztes Aufenthaltsrecht in unseren vier Wänden zuzusichern. In der Wohnung angekommen, ist Schatzi so sehr dem Putzwahn verfallen, dass er mein kleines Mitbringsel überhaupt nicht bemerkt. Gut so. Schnell an den alten Platz damit. Der richtige Moment, um Schatzi zur Rede zu stellen wird schon noch kommen.
Es sollte nur ein paar Stunden dauern.
Begleitet vom großen Schatz komme ich dem hauseigenen Tauschbasar näher. Erneut von draußen.
“Oh guck mal – der Stepper ist schon weg!”, freut sich Schatzi enorm darüber, jemanden mit dem vermeintlich nicht mehr benötigten Gerät glücklich gemacht zu haben. Und er freut sich wirklich sehr. Mein Grinsen lässt sich nicht länger verbergen und genügt, um ihn über meine kleine Rückholaktion wortlos zu informieren.
“Den BRAUCH ich!”, setze ich sofort zur Verteidigung an. Immerhin weiß ich, welche Diskussion jetzt folgen wird… Daher muss ich den Satz gleich mehrfach wiederholen und so überzeugend wie nur irgendmöglich darstellen. Mimik, Gestik – alles muss sitzen!
Zugegeben, in anderthalb Jahren maximal zweimal benutzt (wenns hochkommt) ist nicht gerade die überzeugendste Quote. “Aber darum gehts ja auch gar nicht!”, mach ich ihm klar. ” Ich WILL ihn wirklich nutzen. Ganz ehrlich!”
Dazu könnte erwähnt werden, dass ich den Stepper schon zum zweiten Mal vorm endgültigen Rauswurf bewahre. Die unzähligen Androhungen das Stepperasyl fristlos aufzuheben nicht mitgerechnet.
Aber Schatzi ist glücklicherweise kein Unmensch. Allerletzte Chance für die Freundschaft zwischen Stepper und mir – jedoch mit knallharter Auflage.
“Du musst ihn JEDEN Tag benutzen! JEDEN TAG, SONST…!”
“Jajajajajaja – ich will auch!”, gelobe ich schnell Besserung, während meine Augen ihr schönstes Zwinkern und mein Mund sein glücklichstes Lächeln aufsetzen.
Fazit nach fünf Tagen:
Tag 1 – Besuch schaute vorbei
Tag 2 – habe ich mich geschlagene zehn Minuten mit Auf- und Abwärtstreten gequält (gequält triffts am besten, einschließlich zweier Beinahe-Abstürze)
Tag 3 – mit Schatzi auf Sofa gequatscht (wäre unhöflich dabei zu sporteln)
Tag 4 – von Arbeit ausgelaugt und überhaupt…
Tag 5 – mit übergroßem Angstgefühl nach Hause gekommen, in der Annahme Stepper könnte bereits ausgewiesen worden sein
…
Gestern Abend sind wir bei Tag 47 angelangt.
In meiner Bettlektüre (Thema: mehr Bewegung im Alltag) tauchte indirekter Weise ein Stepper auf. Naja, Treppenstufen sind eben so ähnlich, oder?!? Und ganz plötzlich fiel mir mein kleiner stiller, schwarzweißer Freund wieder ein. Ein Blick unter meinen Schreibtisch (als einigermaßen gesichertes Versteck) offenbarte Böses! Nicht da! In meinem Schrank? Nichts. In Schatzis Schrank? Nichts! Und er hat erst vor ein paar Tagen im Schlafzimmer für Ordnung gesorgt…
Kurz bevor ich wutentbrannt Schatzi für sein offenbar unbarmherziges Verhalten gegenüber hilflosem und zugleich hilfreichem Equipment zur Rede stellen wollte, wanderte mein immer noch suchender Blick auf den Schrank. Puuhh. Glück gehabt. Zwar ist Stepper damit für mich erstmal nicht so leicht erreichbar. Aber er ist noch da. Und heute Abend fang ich. Vielleicht auch morgen. Aber dann ganz bestimmt. Wirklich!
Gefällt mir:
Gefällt mir Lade...