Archiv für den Monat Dezember 2011

“Weil das da Spaß macht”

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Warnung vor dem Kinde Nachdem Juniors Freund in den höchsten Tönen vom baldigen Gymnasiumsbesuch schwärmt (aktuell sind beide in der vierten Klasse), frage ich ihn, warum er – dem ich einen anderen Schulweg empfehlen würde – denn unbedingt aufs Gymnasium möchte.

Antwort: “Weil das da Spaß macht.”

Bitte liebe Eltern, ich mag lernwillige Kinder und dreh meinen Daumen gern nach oben für bildungsbewusste Eltern. Keine Frage. Solange es im Rahmen bleibt und die Kinder möglichst Spaß daran haben. Schule und Spaß – ich weiß… Lernen muss sein. Auch das lässt sich nicht umgehen.

Trotzdem fand ich die Aussage irgendwie erschreckend. Dermaßen unaufgeklärt der arme Junge. Wenngleich mich die Einträge mehrerer (Wiederholung: MEHRERER) Mitschülerinnen Juniors in Freundebüchern noch mehr schockiert haben. Und zwar jene Einträge über “Meinen größten Traum” mit dem Vermerk “dass ich aufs Gymnasium gehe”.

Wenn das der größte Traum eines Viertklässlers (oder zum Zeitpunkt des Eintrags teilweise sogar Drittklässlers) ist !!??? Zumal es sich jeweils um Hamburger Schüler handelt, die alternativ zum Gymnasium an einer Stadtteilschule nach 13 statt nach 12 Jahren ebenso gut das Abitur erreichen können.

Ich glaube, ich hole jetzt erstmal unser Astrid-Lindgren-Buch hervor und lese ein bisschen Pipi Langstrumpf. Vielleicht auch die Kinder von Bullerbü. Die wussten wenigstens, wie man sich als Kind so zu verhalten hat.

Schönes Fest – reine Definitionssache

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“Kevin allein zu Haus” hat sich mitten in der Schulwoche viel zu spät am Abend ins Fernsehprogramm gemogelt. Dialog zwischen Vater und Mutter. Oder um es ganz genau zu beschreiben – zwischen großem Schatz und mir:

ich: “Oh ja, lass uns den Film am Wochenende zusammen mit Junior gucken. Der ist schön.”

er: “Können wir gerne machen. Oder “Das Leben des O’ Brian”.”

ich: “Nein, ich meine einen richtig schönen Familienfilm zu Weihnachten.”

Da wir beide die Kevin-Filme jeweils bestimmt um die zwanzig Male gesehen haben, sind wir in der Must-See-Frage zwar absolut einer Meinung. Trotzdem kann großer Schatz nicht umhin, anzumerken:

“DAS nennst du richtig schön?? Ein Film, in dem die ganze Familie in den Urlaub fliegt und den Jüngsten zu Hause vergisst, der Angst vorm Keller und vorm Nachbarn hat UND sich noch allein gegen zwei Einbrecher verteidigen muss??!! Richtig schön also. Aha.”

In der Annahme, dass ihr eure Lieben weder zu Hause noch im Herzen vergesst, wünsche ich an dieser Stelle schöne (und ich meine wirklich schöne) und vor allem stressfreie wie auch besinnliche Weihnachtstage.

Lang lebe die Königin

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“Lang lebe die Königin”, verkündet großer Schatz, als ich nach alltäglicher Abschiedszeremonie heute früh gerade die Wohnung Richtung Arbeitsstätte verlassen will.

Königin also. Aha. Recht hat er!

In hoheitlicher Manier winke ich meinen Bediensteten noch einmal dezent zu, um sie mit einem “Gehabt Euch wohl” zurückzulassen. Zugegeben, das “Gehabt Euch wohl” ist als Abschiedsgruß an die Dienerschaft sicher übertrieben. Deswegen habe ich es auch mehr gedacht als gesagt.

Vermutlich werden der Erste Hofdiener und sein junger Gehilfe die Stunden meiner Abwesenheit nutzen, um an einem mir ausreichend gebührenden Empfang zu feilen. Und wenn ich dann wieder durch das heimische Tor schreite, stehen sie bereits Spalier und lassen die duftigsten Blumen auf mich herabregnen. Bevor sie sich hochachtungsvoll – und dementsprechend tief – verneigen.

Musikanten spielen mir zu Ehren auf. Ich denke da so an Reamonn mit “Supergirl”. Das ist definitiv angemessen.
Ralf Zacherl tischt seine eigens für mich kredenzten royalen Menüs auf. Ja klar, mehrere Menüs. Ein königlicher Gaumen ist nun mal wählerisch.

Ein junger, sportlicher Fitnesscoach nimmt sich nach dem Mahl mit anschließendem Wellnessbad meinen armen, geschundenen Füßen an. Während mir Prinzessin Cindy von Marzahn und die Queen of Blondness Daniela von und zu Katzenberger Gesellschaft leisten.

Und weil jedes Märchen eines glücklichen Endes bedarf, nehme ich meinen treuen und überaus fabelhaften Ersten Hofdiener zum Gemahl und seinen jungen Gehilfen an die Stelle eines eigenen Sohnes.

“Lang lebe die Königin!”

ein bisschen erwachsen sein reicht

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Es ist so dermaßen unbeschreiblich cool. Und fast nie spricht jemand darüber. Ich habe noch niemanden gehört, der gesagt hat “Erwachsensein ist klasse! Tolle Sache.” Dabei ist es das durch und durch.

Sicherlich arbeiten, Haushalt, Einkauf etc. Nicht schön. Aber als Kind ist das Pflichtprogramm auch recht üppig bestückt. Dafür bieten sich den Volljährigen, Nicht-mehr-bei-den-Eltern-Wohnenden sooo viele Möglichkeiten.

Ungesunde Nahrung darf zu jeder Tages- und Nachtzeit in den Mund befördert werden.

Der Fernseher gehorcht aufs Wort und geht erst aus, wenn wir es wollen. Egal, wie spät oder früh.

Der ständige Aufräumzwang kann durch ein simples “Heute nicht” unterdrückt werden (sicher, mit Kindern im Haus kommt natürlich die Vorbildfunktion zum Vorschein).

Telefonorgien werden nicht durch genervte Eltern unterbrochen.

Die Kaffeemaschine ist rund um die Uhr einsatzbereit.

Spontanes Ausgehen mitten in der Woche – kein Problem. Und wenn es bis zur Morgendämmerung dauert. Die Kaffeemaschine wirds schon richten.

Die Couch vorm Fernseher zum Bettenlager umfunktioneren – wer sollte da etwas dagegen haben?

Sich nächtelang vom Sog des Internets mitreißen lassen – na und?

und viele, viele Dinge mehr, die doch erst das Erwachsensein ermöglicht.

Ergo: trotz toller Kindheit ist Erwachsensein einfach GROSSARTIG!

Ich denke auch, es gibt verschiedene Erwachsensein-Stufen. Mir reicht übrigens die jetzige. Mitte bis Ende 20. Erwachsen genug, um Verantwortung zu übernehmen und noch jung genug, um die schönen Seiten der Volljährigkeit zu genießen. Soll ja schließlich nicht allzu anstrengend werden. Und nicht spießig. Natürlich nicht.

Übrigens gerade entdeckt zum gleichen Thema – toller Blogartikel von bodensatz: http://bodensatz.wordpress.com/2010/08/19/erwachsen/

Zwangsgekappt

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Ich wollte es eigentlich nur auf “laut” stellen, um sicher zu gehen, dass ich es im Fall des Falles auf dem Weg zur Arbeit wirklich höre. So trotz Musik im Ohr. Doch noch bevor meine Hand nur die geringste Chance bekommt, mein Handy aus dem Rucksack hervorzuholen, schießt plötzlich eine Eilmeldung durch sämtliche Synapsen und verkündet (leicht panisch):

“Du hast dein Handy zu Hause liegen gelassen!”

Vom Schrecken gezeichnet (bestimmt sieht man mir das an), blicke ich vorsichtig um mich… Noch ist die Welt nicht untergegangen. Müde blickende Erwachsene und quatschende Berufsschüler. Keinerlei Anzeichen von Panik oder verwandter Gefühlsausbrüche.

Huuuuuuh. Tief durchatmen. Es ist ja nur ein Handy. Die Betonung liegt auf “nur ein Handy”. Kein Smartphone. Keine Kamera. Keine MMS (glaub ich jedenfalls). Kein Terminplaner oder Adressbuch. Und noch viele weitere keins und keines mehr. Ein ganz normales Mobiltelefon also. Naja, was früher mal ganz normal war eben. Reicht mir!
Überhaupt verpass ich dem kleinen Ding am Wochenende gerne mal Begleitverbot. Um der (gefühlten) Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeitspflicht wenigstens gelegentlich zu entkommen. Am Wochenende wohlgemerkt. Davon kann heute keine Rede sein. Heute ist ein gewöhnlicher Arbeitstag. Weit entfernt von Sonntag und Freitag. Und dann keine mobile Erreichbarkeit!

Es ist immer noch vor 8 Uhr morgens. Und die Welt dreht sich weder langsamer noch schneller. Es scheint, als hätte meine Misere gar keine Auswirkung aufs Universum. Hmm.

Aber was ist, wenn Schatzi mir was Wichtiges mitzuteilen hat?
Ich müsste bis zum Abend auf die Neuigkeiten warten.

Was, wenn Junior sich in der Schule verletzt und die Lehrer anrufen wollen?
Sie würden Schatzi erreichen. Oder direkt bei mir im Büro anrufen.

Und eigentlich wollte ich einer Freundin eine SMS schicken. Für die Wochenendplanung (sind ja nur noch drei Tage Zeit!).
Jetzt muss ich mich bis nach Feierabend gedulden…

Einziger Trost, der mich gerade überhaupt nicht tröstet:
Früher ging das ja auch ohne Handy. Ja, sogar ohne Telefon (so ganz, ganz früher)!

Im Büro angekommen, informiere ich sogleich meine Kollegen über die ungewöhnlichen Umstände. Nicht dass ich sonst eine Handy-Fanatikerin oder gar Handy-Süchtige wäre. Um Gottes Willen – natürlich nicht. Nur so eine wichtige Information wie ein vergessenes Handy sollte schon weitergegeben werden. Also: “Bitte keine Anrufe, bevor ich zu Hause bin.”
Zu spät. Der erste verpasste Kollegenanruf erfolgte bereits fünf Minuten vor Arbeistbeginn. Da haben wir’s doch!

Aber nicht schlimm. Noch dreht sie sich, Mutter Erde. Obwohl ich mein Handy heute den ganzen Tag nicht dabei haben werde.
Jeder Gang auf Arbeit so ungewohnt wie nie. Immer wieder die verstohlenen Blicke auf den Handy-leeren Fleck…

Viele Stunden später. Feierabend. Auf dem Weg nach Hause.

Ich habs fast geschafft. Nur noch S-Bahn und Bus. Meine Sorge, ich könnte dem nervig klingelnden Winzling MP3-Player-bedingt nicht die nötige Aufmerksamkeit in angemessener Reaktionszeit bieten…
…hat sich vollkommen in Luft aufgelöst. :)

Ich brauche weder die Musik leiser zu drehen, noch auf eventuelle Vibrationen im Rucksack oder der Jackentasche zu achten. Hervorragend!
Vorallem muss ich bei der Suche nach dem immer lauter werdenden Handy nicht befürchten, meine unbeabsichtigte Kramsammlung mitten in der Bahn auszubreiten. Zugegeben: So ein Tag ohne Handy… gar nicht so übel.

Obwohl…