“Ich geh schon mal vor, Schatz. Nimmst du nachher meine Sachen mit, bitte?”, sagt er zu mir und ist gepäcklos verschwunden.
Zurück bleiben zwei Rucksäcke, eine Ziehtasche mit Rollen, eine gefühlte vier Meter lange Angelrute samt Kescher.
Ein kleines Weilchen dauert das noch, was ich in dem Laden in der Stadt zu erledigen habe, dann kann auch ich mich endlich auf den Weg nach Hause zum Angelsee machen. Mit Sack und Pack, und nicht weniger. Und mit Bus. Damit die Schlepperei so richtig Spaß bringt.
Den einen Rucksack aufgesetzt, den anderen über die rechte Schulter gehangen. Die bis zum Himmel ragende Angelrute in der linken Hand und die Rolltasche noch irgendwie in der rechten. Alles dabei? Auf gehts.
Der über der Schulter hängende Rucksack rutscht. Ganz schön doll sogar.
Der Kescher, der locker an der Angel befestigt ist fällt ab. Ich muss mich irgendwie bücken und ihn aufheben. Zwei Meter später lassen sich Kescher und die Spule (heißt das Spule?) spontan und unangekündigt synchron auf den Boden plumpsen. Der Rucksack rutscht immer noch. Der zweite Rucksack fängt auch langsam an zu quengeln. Ich bin genervt, aber noch lange nicht im Bus…
Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass sich bis zum Angelsee irgendetwas an dieser Miesere ändert. Nein, das tut es auf gar keinen Fall!
Irgendwann komme ich tatsächlich (fast) beim vereinbarten Treffpunkt an. Schon mal Schatzi anrufen und ihm mein Erscheinen ankündigen.
Aber Schatzi hat kurzerhand umdisponiert, wie er mir fernmündlich feucht fröhlich berichtet. Er ist ganz woanders hängen geblieben. Ja, nicht gerade in der Nähe. Aber da ist ein Rockkonzert. Tolle Stimmung. Ob ich nicht auch dorthin kommen möchte?
—— tiiiiiiieeeeef einaaaaatmeeeeen ———————-
uuuund gaaaaanz laaaangeeee ausaaaaatmen ——————
Während mein vollständig entnervtes Ich noch sämtliche Möglichkeiten, komplett auszurasten zunächst innerlich im Schnelldurchlauf durchspielt, öffnen sich plötzlich meine Augen und erlösen mich von diesem scheußlichen Traum.
Puuuh, nochmal Glück gehabt, denke ich und drehe mich zu meinem friedlich schlafenden Bettgenossen. Nichts ahnend, dass er mich am Frühstückstisch fragen wird, ob er denn am nächsten Tag zum Angelsee fahren darf. Ich könne auch mitkommen, wenn ich Lust habe.




