Die Zeiten sind vorbei. Da bin ich raus. Es war einmal, dass ich meine leichenblasse Haut der glühenden Sonne entgegen gestreckt habe und sie aufforderte, doch bitte, bitte endlich jetzt sofort etwas Sommerfarbe an mich abzugeben. Bekommen alle anderen schließlich auch genug davon ab.
Gefühlte Tage am Stück brutzelte ich deswegen in den Sommerferien dösenderweise auf der Wiese im Garten. Ohne Schatten, versteht sich. Dafür mit höchster Achtsamkeit darauf, dass Arme, Beine, Rücken, Gesicht und Dekolleté gleichmäßig dem Bio-Solarium vorgeführt werden. Frau Sonne fand das bislang leider wenig beeindruckend. Dass sich ob meiner hellen Gesichtsfarbe regelmäßig besorgterweise nach meinem Gesundheitszustand erkundigt wurde, erweckte nicht mal den Hauch von Mitgefühl in ihr. Sie ließ mich einfach schmoren – ohne zu bräunen.
Wenn es eine Farbe gab, die Frau Sonne für mich übrig hatte, dann allenfalls rot. Ja, ich weiß, danach kommt auch etwas Bräune zum Vorschein. Aber muss es denn immer über die Mutation zum Krebs sein? Zumal das äußerst doppeldeutig gemeint ist. Und schmerzhaft.
Doch was tut man als Teenager nicht alles für einen natürlichen “gesunden” Teint?!
Aber damit ist ja nun Schluss. Seit langem schon. Jetzt lasse ich mir noch passiv Bräune auf die Haut bannen. Kein Druck. Kein Stress. Und die Freude ist umso größer, wenn sich kleine Veränderungen zeigen. Und außerdem: in Asien stecken die Frauen richtig viel Geld ins Blasswerden. Dort hätte ich gute Chancen zum Schönheitsideal. Zumindest von der Hautfarbe her
Dazu kommt, dass ich mir endlich eingestanden habe, dass mir ein Schattenplatz weitaus besser bekommt, als direkt unter den Augen von Frau Sonne. Keine Kopfschmerzen. Kein Unwohlsein. Kein übermäßiges Schweißgetriefe. Und viele andere keins mehr. Perkekt also. Ganz ehrlich.
Keine Ahnung, warum ich mich in den letzten Wochen ab und an immer wieder selbst dabei ertappt habe, mitten unter schattenfreiem Himmel Platz zu nehmen. Und genau darauf zu achten, dass keine textilfreie Seite an mir zu kurz kommt. Frau Sonne ist das selbstverständlich nicht entgangen. Mit leichter Übelkeit und einem komischen Unwohlsein (nur minimal) schickte sie mich jedes Mal nach zwei Stunden nach Hause.
…aber wenigstens hat sie dabei einen Hauch von Sommerfarbe auf meiner Haut hinterlassen. Yippieh!!! …. äääh, ist doch eigentlich auch egal, ob blass oder gebräunt, wollt ich sagen…
Gefällt mir:
Gefällt mir Lade...