Randzone – und gar nicht mal schlecht

Standard

“Der Rest von Hamburg” versammelt sich seit Kurzem auf der Blogseite seines Gründers Maximilian Buddenbohm. Darin beschreiben Hamburger & Nichthamburger ihre liebgewonnenen Stadtteile. Ganz gleich, ob sie in Hamburg wohnen, zu Besuch waren oder einfach von ganz anderen Städten auf der Welt berichten. Hamburg-Lohbrügge ist noch gar nicht vertreten. Das wollen wir doch mal ändern.

“Wo ist das denn?” oder “Oh, da hast du ja ‘nen ganz schönen Weg zur Arbeit.” Typische Standardreaktionen meiner Gegenüber, wenn ich erzähle, dass wir uns im Hamburger Stadtteil Lohbrügge niedergelassen haben. Und zwar sehr gerne! Unser Herzstück ist der große Park oder auch namentlich “Grünes Zentrum” genannt, welcher direkt hinter unserem Haus beginnt und netterweise aus all unseren Fenstern zu sehen ist. “Da gibts zwei Seen, mehrere Spielplätze, eine riesige Wiese und Grillplätze. Sogar eine Vogelvoliere mit vielen bunten Blumenbeeten drumherum”, erklären wir dann denjenigen, die Lohbrügge kennen. Von früher. Das sind genau die Leute, welche uns entgegnen “Aber ihr wisst schon, dass Lohbrügge nicht die beste Ecke ist?” oder “Es gibt eine gute und eine schlechte Seite von Lohbrügge. Wo wohnt ihr nochmal?”

Hmm. Als wir vor viereinhalb Jahren nach Hamburg gezogen sind, kannten wir als “böse” Wohnviertel allenfalls St. Georg oder Jenfeld. Naja und St. Pauli kam für uns als Familie mit Kind auch nicht in die engere Auswahl. Aber sonst…
Dass wir in einer relativ sicheren Gegend wohnen würden, berichtete mir mein Vater, als er vor unserem Umzug den Wohnungsschlüssel für uns beim Hausmeister abholte. “Immer wenn ich mal in der Gegend lang komme, sehe ich irgendwo ein Polizeiauto stehen. Da könnt ihr ja beruhigt sein. Die Polizei ist jedenfalls vor Ort.” Zugegeben, es hatte damals auch nach unserem Einzug nicht lange gedauert, bis uns der erste waschechte Lohbrügger von alten Zeiten berichtete. Drogen, ominöse Fensterstürze, “die schlimmste Straße Deutschlands” mitten in Lohbrügge. Und nun wir. Dort. Hmm.

Zur ehemals (!) schlimmsten Straße Deutschlands, allgemein als Korachstraße bezeichnet:
Der Ruf ist längst überholt. Ja, es gibt dort die allseits verhassten Hochhäuser. Häuser, in denen viele viele Menschen auf einmal wohnen – und trotzdem friedlich, freundlich und rücksichtsvoll miteinander umgehen können. Selbst die Treppenhäuser und Flure sind längst nicht überall verdreckt. So wie man es von Hochhäusern im Allgemeinen (oder besser: im Klischee) zu erwarten hat. Und gegenüber, auf der anderen Straßenseite, reihen sich Einfamilienhäuser aneinander. Teilweise mit netten Vorgärten. Alles ganz ruhig.
Ohnehin ist für uns Lohbrügge so etwas wie die kleine Schwester von Bergedorf. Im Großen und Ganzen ist alles vertreten, was der stressgeplagte Mensch braucht. Viel Grün, Ruhe und dazu eine kleine Fußgängerzone, Marktplatz. Das Übliche eben. Kleiner Bonus: die Nähe zu Schleswig-Holstein – ein Steinwurf entfernt ist keinesfalls übertrieben – lässt uns auch ganz schnell fliehen aus “der großen Stadt”. Raus aufs Land. :)

Sowohl großer Schatz wie ich lieben die Schnelligkeit, die sich für HVV-Nutzer ab dem Berliner Tor oder für Autofahrer ab der Eiffestraße breitmacht. Aber jeden Abend, wenn wir zurück sind, von der Arbeit im “anderen” Hamburg, freuen wir uns, genau dort zu leben, wo wir es gerade tun. Dort, wo die Autos nicht so hetzen und ganz so oft hupen. Dort, wo man von Geschäft zu Geschäft schlendern kann, ohne im dichten Gedränge unterzugehen. Dort, wo die Uhren irgendwie etwas langsamer ticken. In Lohbrügge.

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Über Katja

Ich bin Anfang 30 und sammle am liebsten jene Geschichtchen, die so achtlos im Alltag herumliegen... da mich momentan Babyjunior viel auf Trab hält, gibt's zur Zeit mehr Fotos als Geschichten. Ich freue mich auf euren Besuch auf meinem Blog www.momentewiese.com

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