Verfasst von: federfee Am: 10. Mai 2012
Kein Handy, dass mit seinem notorisch nervenden Aufmerksamkeiterrengendenton alle um den morgendlichen Verstand bringt. Nicht ein einziges. Noch nicht mal unüberhörbar laute Ohrendröhnung anderer Mitfahrender. Das einzige Geräusch um halb sieben in der S-Bahn: absolute Ruhe.
Ruhe, die einfach nur vor sich hindösen will.
Lediglich die monoton erklingende Haltestellenansage platzt regelmäßig in die wunderbare Großstadt-Morgen-Idylle. Und weil die Ohren so entspannt vor sich hinschlummern, tut es der an den Hörorganen befestigte Rest ihnen gleich. Bis… ja, bis die nächste Haltestelle gleich eine ganze Hand voller Umsteigemöglichkeiten aufzuweisen hat.
Noch bevor der Lokführer den Namen des nächsten Ausstiegs offiziell bekannt gibt, verlassen einige Leute wie ferngesteuert ihren Sitzplatz.
Aus einigen werden mehrere. Und aus mehreren werden ganz schön viele. Der Kampf um die Pole-Position hat längst begonnen. Wer jedoch weder zu den einigen noch zu den mehreren gehört, hat ihn schon jetzt verloren.
Pole-Position. Besser könnte der halbe Quadratmeter hinter der ersten Tür im ersten Waggon nicht benannt werden. Denn die Umsteigezeit ist kurz – in einer Stadt, in der die Busse und Bahnen im Zehn-Minuten-Takt fahren. Da lohnt sich das Hetzen von anderer Startposition erst gar nicht. Alle wissen das. Und weil das so ist, wird die dösige Ruhe von eben kurzerhand als Erste durch die gerade mal zentimeterweit geöffnete Waggontür gestoßen, bevor der Pulk folgt. Im Laufschritt selbstverständlicherweise, nur schneller. Geschickt werden Trödler (also Gehende in Normalgeschwindigkeit) umrannt (aber nicht umgerannt). Werden Treppenstufen übersprungen. Wird in Sekundenbruchteilen abgewägt, ob Rolltreppe tatsächlich einen Zeitvorteil mit sich bringen könnte. Wird der Weg zum anderen Bahngleis zum Slalomparcours.
Welch ein Schauspiel – jeden Morgen. Von Montag bis Freitag. Herrlich.
Und wenn ich nicht gerade in der ersten Tür des ersten Waggons aussteige (auch nur, weil ich es beim Einsteigen nicht mehr bis nach ganz vorne geschafft habe), kann ich sie sehen – die dösige Ruhe. Wie sie kopfschüttelnd und allein auf der Sitzbank am Bahnsteig die Pendler beobachtet – und sich fragt, warum die Leute sich tagtäglich lieber von Herrn Stress zu ihrer Arbeit begleiten lassen als von ihr. In einer Stadt, in der Busse und Bahnen im Zehn-Minuten-Takt fahren.
Verfasst von: superachim Am: 10. Mai 2012
Für alle, die sich gefragt haben, warum ich in den letzten Wochen nicht zum Foto-Shooting gekommen bin: 
Auch Elefanten brauchen mal eine Auszeit.
Aber jetzt bin ich ja wieder da. Und weil es meine liebste Pauline so gut mit mir meint, hat sie mir sogar ein Bad eingelassen. Was sie mir allerdings verschwiegen hat – dass sie vorher selbst ausgiebig drin entspannt hat.
Die fast heruntergebrannten Teelichter stören mich dabei weniger, aber von einem heißen oder wenigstens warmen Bad kann keine Rede sein!
Verfasst von: federfee Am: 28. April 2012
“Ich geh schon mal vor, Schatz. Nimmst du nachher meine Sachen mit, bitte?”, sagt er zu mir und ist gepäcklos verschwunden.
Zurück bleiben zwei Rucksäcke, eine Ziehtasche mit Rollen, eine gefühlte vier Meter lange Angelrute samt Kescher.
Ein kleines Weilchen dauert das noch, was ich in dem Laden in der Stadt zu erledigen habe, dann kann auch ich mich endlich auf den Weg nach Hause zum Angelsee machen. Mit Sack und Pack, und nicht weniger. Und mit Bus. Damit die Schlepperei so richtig Spaß bringt.
Den einen Rucksack aufgesetzt, den anderen über die rechte Schulter gehangen. Die bis zum Himmel ragende Angelrute in der linken Hand und die Rolltasche noch irgendwie in der rechten. Alles dabei? Auf gehts.
Der über der Schulter hängende Rucksack rutscht. Ganz schön doll sogar.
Der Kescher, der locker an der Angel befestigt ist fällt ab. Ich muss mich irgendwie bücken und ihn aufheben. Zwei Meter später lassen sich Kescher und die Spule (heißt das Spule?) spontan und unangekündigt synchron auf den Boden plumpsen. Der Rucksack rutscht immer noch. Der zweite Rucksack fängt auch langsam an zu quengeln. Ich bin genervt, aber noch lange nicht im Bus…
Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass sich bis zum Angelsee irgendetwas an dieser Miesere ändert. Nein, das tut es auf gar keinen Fall!
Irgendwann komme ich tatsächlich (fast) beim vereinbarten Treffpunkt an. Schon mal Schatzi anrufen und ihm mein Erscheinen ankündigen.
Aber Schatzi hat kurzerhand umdisponiert, wie er mir fernmündlich feucht fröhlich berichtet. Er ist ganz woanders hängen geblieben. Ja, nicht gerade in der Nähe. Aber da ist ein Rockkonzert. Tolle Stimmung. Ob ich nicht auch dorthin kommen möchte?
—— tiiiiiiieeeeef einaaaaatmeeeeen ———————-
uuuund gaaaaanz laaaangeeee ausaaaaatmen ——————
Während mein vollständig entnervtes Ich noch sämtliche Möglichkeiten, komplett auszurasten zunächst innerlich im Schnelldurchlauf durchspielt, öffnen sich plötzlich meine Augen und erlösen mich von diesem scheußlichen Traum.
Puuuh, nochmal Glück gehabt, denke ich und drehe mich zu meinem friedlich schlafenden Bettgenossen. Nichts ahnend, dass er mich am Frühstückstisch fragen wird, ob er denn am nächsten Tag zum Angelsee fahren darf. Ich könne auch mitkommen, wenn ich Lust habe.
Verfasst von: federfee Am: 20. April 2012
“Sie wollen in die USA fliegen? Na dann machen Sie sich mal nackig und vergessen Sie nicht, mir Ihre Telefonnummer und sexuellen Neigungen anzugeben.”
So oder so ähnlich könnten künftige Airline-Angestellte demnächst auf Ihre Kunden zugehen. Rein dienstlich natürlich. Auf Geheiß der amerikanischen Freunde sollen in die USA fliegende Passagiere bald ein bisschen mehr Angaben machen als bisher. Seltsam. Dabei müssen sie doch schon seit Langem vor dem Flug schriftlich bestätigen, dass sie keine kriminellen und/oder terroristischen Tätigkeiten in den Vereinigten Staaten planen (wobei ich Terror grundsätzlich kriminell finde). Reicht das denn nicht? So lässt sich die Spreu doch schnell vom Weizen trennen. Wer würde denn bei dieser Frage eine Falschantwort geben?
Nun denn, bald also noch etwas mehr. Adresse, Telefonnummer, Kreditkartenangaben. Und eventuell die sexuelle Orientierung (so hört man es zumindest unken)? Selbst Serviceleistungen an Bord und Sonderwünsche, welche die schmackhaften Mahlzeiten betrifft, ist erfassungswert. Klar, Terroristen bevorzugen nun mal nicht das Standard-Menü. Allergiker und Mäkelanten: Obacht!
Und auch der Sitzplatz ist absolut entscheidend. Keine Frage. So können Passagiere, welche den Sitzplatz des Piloten wünschen, ab demnächst eindeutig als mutmaßliche Terroristen identifiziert werden. Coole Sache!
Einfacher wäre es allerdings auch, die Passagiere zur Herausgabe ihres Facebook-Accountnamens samt Passwort aufzufordern. Denn dort sind reichlich “gläserne User” vertreten. Zumal diese Art von Informationsweitergabe sich mittlerweile in den USA bei immer mehr Bewerbungsgesprächen und Behördenbesuchen zu etablieren weiß. (Achtung: KEIN SCHERZ!)
Ab wann können wir uns eigentlich endlich, endlich kleine Ortungssender einpflanzen lassen? Minikameras mit Drahtlos- und Echtzeitübertragung natürlich inbegriffen. An der Stirn wäre doch noch genug Platz dafür. Und der (einstige) Werbespruch einer Getränkemarke würde umformuliert in:
“Sind wir nicht alle ein bisschen Terrorist?”
Verfasst von: federfee Am: 15. April 2012
Sonntagmorgen. Frühstückstisch. Gemeinsame Reflexion über den Zeitpunkt der jüngsten Nachtruhe. Während Junior und Freund mit einer für 10-Jährige recht späten Uhrzeit prahlen, gebe auch ich meine Schlafantrittszeit bekannt. Spät war es geworden. Oder vielleicht schon früh. Als ich von einer Freundin kommend die Wohnungstür aufschloss.
“Wer ist Freundin soundso?”, bittet Juniors Freund um eine komplette Informationseinheit. Junior hilft ihm kurzerhand auf die Sprünge. “Na die, die gestern Abend kurz bei uns war.”
“Ach ja,” fällt es Juniors Freund wieder ein. “Sie hat eine Brille.”