Sehr geehrter Herr Wulff,
Transparenz und bedingungslose Aufklärung haben Sie uns – als Ihre Einkommenszahler – versprochen. Es ist schon eine Weile her, aber das macht nix. Nun ja, das Ergebnis ist bisweilen – sagen wir’s mal ganz, ganz vorsichtig – nicht gerade prickelnd. Aber vielleicht sind wir auch einfach nur zu ungeduldig. Vielleicht wollten Sie tatsächlich noch alles selbst aufklären und waren überrascht, dass vor ein paar Tagen Ermittler vor Ihrer Haustür um Einlass baten. So schnell. Dabei liegt die Transparenz-Aufklärungs-Ankündigung doch gerade erst zwei (oder doch schon drei?) Monate zurück. Und nach ein paar Wochen haben Sie ja auch einen für den eigentlich nächsten Tag angekündigten Fragen-Antworten-Katalog veröffentlichen lassen. Dass die Medien in dieser Hinsicht etwas schneller waren als Sie – wer konnte das ahnen?
Und nun gehts immer noch weiter. Dabei haben Sie doch alles Erdenkliche getan, um dem Spuk ein Ende zu setzen. Haben darauf verwiesen, dass die Berichterstattung der vergangenen Monate Sie verletzt hat. Sofort nach Aussprache dieses Satzes wurden bundesweit nicht ernsthaft gefüllte Dosen voller Mitleid geöffnet. Nicht zu überhören.
Jetzt aber zum Ehrensold. Sold als Begriff von “finanzieller Verdienst” oder auch Lohn genannt in Verbindung mit Ehre… und Ihnen – mir fehlen schlicht die Worte. Es sei denn, Sie haben mit “Ihrem” Verdienst und unseren hart erarbeiteten Steuergeldern nichts anderes vor, als sie den Menschen zukommen zu lassen, die sie tatsächlich verdient hätten. Oder wenigstens dringend benötigen.
Wie viele sozialpädagogische Einrichtungen ließen sich damit pro Jahr unterstützen? Wie viele wohnungslose Mitmenschen könnten ein Dach über den Kopf bekommen? Wie vielen todgeweihten Kindern könnte ein letzter Wunsch erfüllt werden? Wie viele… es gibt so, so viele, denen Sie mit dieser zu Recht umstrittenen Lebenslangpension helfen könnten, ja sogar retten könnten. Da ließe sich dann bestimmt von Verdienst reden, auch Ehre würde Ihnen zuteil werden. Bestimmt. Der Chauffeur samt Dienstwagen, den Sie in Anspruch zu nehmen gedenken, ließe sich locker gegen einen Koch mit vollen Einkaufskörben tauschen, der hilfsbedürftige Obdachlose beköstigt. Das von Ihnen wozu-auch-immer-unbedingt-gewünschte-Dienstzimmer würde sich als Betreuungsort für Kinder berufstätiger Eltern wunderbar eignen, inklusive Personal. (Berufstätigkeit: Arbeitsausübung zur eigenverantwortlichen finanziellen Sicherung des Lebensunterhaltes, Anm. für Herrn Wulff)
Aber Sie stimmten ja bereits zu, dass die Höhe des Ehrensolds nicht mehr zeitgemäß und finanzielle Einschnitte unumgänglich seien. Und auf Ihr Wort werden wir uns doch wohl verlassen dürfen, Herr Wulff. Oder etwa nicht? So wie die Geschichte mit der Transparenz… welche Sie übrigens schon lange vor Ihrem Amtsantritt als Bundespräsident zu erzählen begannen. Ach nein, da war es ja noch gar keine Geschichte, da nannten Sie es noch Forderung. Gerichtet an andere Politiker.
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