“Jetzt gucken Sie nicht so!” Mein Chef und seine typisch hanseatische Direktheit.
Trotzdem stehe ich noch immer wie angewurzelt vor seinem großen Schreibtisch und starre mit festgemeißelter Miene an ihm vorbei, direkt auf den Wandkalender.
“Aber…aber…” So richtig viele Worte wollen sich in mir gerade nicht zusammenfinden. Viel zu tief sitzt der Schock. “Das geht alles so schnell”, jammer ich hilflos vor mich hin. “Das ist ja nur noch so wenig Zeit”, seufzt es als Nächstes aus mir heraus.
“Das haben Sie sich selbst eingebrockt. Von uns ist keiner schwanger geworden, um sich vor der Arbeit zu drücken”, kontert mein Lieblingsarbeitgeber schroff. Natürlich hat er recht. Mit dem ersten Satz. Den zweiten meint er ja gar nicht so, wie er ihn sagt. Kleine Humoreinlage.
“Trotzdem!”, entgegne ich und beginne erneut auf den Kalender zu starren. Vielleicht lassen sich ja doch noch ein paar Tage mehr rausglotzen. Wäre nicht schlecht. Aber nix da. Nur noch ganze 19 Arbeitstage. 19! Nur noch! Dann beginnt mein Mutterschutz. Auch nur, weil Chef aufgefallen ist, dass mir noch vier freie Tage zustehen. Die solle ich nicht verschenken.
Dabei habe ich doch noch sooo viel zu tun auf Arbeit, bevor ich mich vorübergehend verabschiede. Lange beiseite Geschobenes aufarbeiten. Meinen Elternzeitvertreter-Kollegen in alles (ich wiederhole: ALLES) ordentlich einarbeiten. Alte Mitschriften und Unterlagen für den persönlichen Gebrauch sortieren und abheften (was ich mir so seit zwei Jahren fest vornehme). Ein Ding der Unmöglichkeit. Schließlich fallen in die 19 Tage glatte zwei Wochen Urlaubsvertretung sowie drei Tage, an denen ich bei einem Kunden vor Ort arbeiten werde…
Schweren Herzens schlurfe ich nach diesem Gespräch zurück zu meinem Platz. Vergewissere mich an dem dort sichtbaren Wandkalender nochmal über die Lage der Dinge. Vielleicht haben wir ja doch noch einen oder sogar zwei Tage übersehen. Das wäre nicht schlimm, sondern hilfreich. Aber… wieder nix. Es bleibt bei 19.
Stattdessen beschließe ich, dass die fünf weiteren Tage, die mich rein formell von der Arbeit fernhalten würden und welche Chef gerade übersehen hat, lieber nicht erwähnt werden sollten. Denn was bleibt denn dann sonst noch?!? *seufz*
Anmerkung:
Es ist nicht so, dass ich nicht wüsste, was ich in meiner arbeitsfreien Zeit mit mir und anderen anstellen könnte. Im Gegenteil. Tausend Dinge und mehr drängen sich da sofort auf die Wunschliste. Und ich freu mich schon riesig auf diese Zeit. Aber es ist auch so, dass mir meine Arbeit extrem viel Spaß macht.
Ging es den Müttern unter euch ähnlich oder genauso?
Das Gespräch ist übrigens schon einige Tage her und die Zeit hat seitdem nichts an ihrer Geschwindigkeit verloren
.
Gefällt mir:
Gefällt mir Lade...